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Neu ab 2016: Freistellungsaufträge nur noch mit Steuer-ID

Vor 3 jahren 0

Freistellungsaufträge ohne Steueridentifikationsnummer (Steuer-ID) haben seit dem 1. Januar 2016 ihre Gültigkeit verloren. Das ist Grund genug, in den kommenden Tagen die betreffenden Unterlagen zu überprüfen, um Kapitalgewinne vor dem Zugriff durch den Fiskus zu schützen. Diese Regelung ist nicht wirklich neu, denn bereits seit dem 1. Januar 2011 können Freistellungsaufträge nur unter Angabe der Steuer-ID neu erteilt oder geändert werden. Seitdem gilt eine Übergangsfrist, die jedoch Ende 2015 ausgelaufen ist. Das bedeutet, dass von dieser seit Januar 2016 geltenden Regelung vor allem die Bankkunden betroffen sind, die vor 2011 einen unbefristeten Freistellungsauftrag erteilt und diesen nicht mehr erneuert haben.

Die Bedeutung der Steueridentifikationsnummer

Jeder Bundesbürger hat seit dem Jahr 2008 eine persönliche Steueridentifikationsnummer, die ein Leben lang gültig ist und die bereits Babys drei Monate nach ihrer Geburt erhalten. Die Steuer-ID besteht aus insgesamt elf Ziffern. Die unter dieser Nummer gespeicherten Daten sind beim Bundeszentralamt für Steuern gespeichert. Dazu gehören der Vorname, der Familienname, frühere Namen, das Geschlecht, Datum und Ort der Geburt, ein vorhandener Doktorgrad, die zuletzt bekannte oder gegenwärtige Anschrift sowie die für die Steuererklärungen zuständigen Finanzbehörden. Die Steuer-ID darf ausschließlich für Zwecke des Fiskus eingesetzt werden. Sie wird insoweit für alle Anträge, Erklärungen oder Mitteilungen an das Finanzamt verwendet. Das gilt unter anderem auch für Arbeitgeber, Sozialleistungsträger sowie für Arbeitsagenturen, die die Steuer-ID nutzen, um steuerlich wichtige Daten an die Finanzbehörden zu übermitteln. Seit 2016 ist sie nicht nur für Freistellungsaufträge bei allen Bankverbindungen notwendig, sondern auch für den Erhalt des Kindergeldes.

Ausgewiesen ist die Steuer-ID auf der jährlichen Lohnsteuerbescheinigung oder auf dem letzten Steuerbescheid. Wer sie dort nicht findet, kann sie auch beim Bundeszentralamt für Steuern (www.bzst.de) anfordern. Ein entsprechendes Formular steht in der Navigationsleiste unter dem Menüpunkt „Steuern national“ zur Verfügung. Die Zusendung erfolgt aus datenschutzrechtlichen Gründen ausschließlich per Post.

Was passiert mit Freistellungsaufträgen ohne Steuer-ID?

Fehlt die Steuer-ID im Freistellungsauftrag, müssen Kreditinstitute bei Zinszahlungen und anderen Kapitalausschüttungen wie Dividenden oder Kursgewinnen automatisch die Abgeltungssteuer einbehalten, allerdings erst ab einem gewissen Betrag. Für Alleinstehende sind Kapitalerträge bis zu 801 Euro im Jahr steuerfrei, während für Verheiratete der Steuerfreibetrag bei 1.602 Euro liegt. Alle über diese Freibeträge hinausgehenden Kapitalerträge werden mit einer Abgeltungssteuer von 25 Prozent belegt, zu der noch der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer hinzugerechnet werden. Wer die bis zum 31.12.2015 geltende Übergangsfrist verpasst hat, reicht die Steuer-ID im Laufe des Jahres 2016 nach oder erteilt einen neuen Freistellungsauftrag und erhält die bisher einbehaltene Steuer erstattet. Wer auch diese Möglichkeit verpasst, kann die von den Finanzbehörden einbehaltene Kapitalertragsteuer über die Anlage KAP in der Einkommensteuererklärung 2016 zurückzuholen.

Es gibt auch Kritik an der Steueridentifikationsnummer. So gibt es Befürchtungen, dass die beim Bundeszentralamt für Steuern gespeicherten Daten nicht nur für steuerliche Zwecke genutzt werden, was nach derzeitiger Gesetzeslage jedoch nicht rechtmäßig wäre. Kritisch gesehen wird auch, dass die Steuer-ID eindeutig einem bestimmten Menschen zugeordnet ist. Das bedeutet, dass alle Daten, die unter der Steuer-ID in unterschiedlichen Datenbanken gespeichert sind, zusammengeführt werden können und das Leben eines Bürgers detailliert offenlegen.

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