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Die Abschaffung des Bargelds – Fiktion oder Zukunft?

Vor 6 jahren 0

Die Meinungen darüber, ob Münzen und Scheine schon bald der Vergangenheit angehören sollen, gehen auseinander. Allerdings werden die Stimmen derjenigen Experten lauter, die eine Abschaffung des Bargeldes fordern. Worum es in dieser Debatte genau geht und was es bedeutet, wenn Bargeld als Zahlungsmittel nicht mehr zur Verfügung stehen sollte, lesen Sie hier.

Befürworter mehren sich, ihre Argumente werden massiver

Der Gedanke, das Bargeld abzuschaffen, ist kein neuer. Zu dessen prominenten Verfechtern zählen beispielsweise der ehemalige Chefökonom (2001-2003) des Internationalen Währungsfonds (IWF) Kenneth S. Rogoff und der frühere US-Finanzminister (1999-2001 im Kabinett von Bill Clinton) Lawrence Henry (Larry) Summers gehören. Hier wird Umgang mit Barem aus verschiedenen Gründen zum Problem erklärt, wobei wir uns mit den drei gängigsten Argumenten auseinander gesetzt haben.

1. Argumentativ aufgeführt werden, unter anderem, erhebliche Verwaltungskosten, die mit dem monetären Zahlungsverkehr verbunden sein sollen, beispielsweise in kleineren Geschäften oder in Restaurants. Aktuell lautet das Credo: „Cash kostet eine Volkswirtschaft Geld, viel Geld.“ Keine geringeren als Experten der Unternehmensberatung McKinsey haben ausgerechnet, dass die Abschaffung des Bargeldes der amerikanischen Wirtschaft einen finanziellen Schub und ein zusätzliches Wachstum von 0,47 Prozent bescheren könnte. Tatsächlich ist die im Jahre1926 in Chicago gegründete Beratungsgesellschaft, die nach eigenen Angaben sowohl die Mehrzahl der im DAX vertretenen deutschen Unternehmen, als auch zwei Drittel der tausend größten amerikanischen Unternehmen sowie öffentliche und private Dienststellen und Regierungsstellen vertritt, wohl ein Handlanger massiver wirtschaftlicher Interessen.

2. Ein weiteres Argument der Bargeld-Gegner ist, dass die Notenbanken auf Bankguthaben Negativzinsen erheben und auf diese Weise das Sparen bestrafen. Bankkunden könnten dazu veranlasst werden, ihr Geld abzuheben und es sprichwörtlich unter die Matratze zu legen, um Negativzinsen zu entgehen und ihr Barvermögen auf diesem Wege zu sparen oder zu schützen. Die Schlussfolgerung der Bargeld-Gegner lautet also, dass Bargeld ein Hindernis darstellt, wenn es darum geht, das Verhalten der Kunden zu beeinflussen. Wird Bargeld verboten und vollständig durch den bargeldlosen Zahlungsverkehr ersetzt, könnten all jene mit Strafzinsen oder einer Besteuerung belegt werden, die dennoch Bargeld als Zahlungsmittel verwenden.

3. Ein weiterer wichtiger Fakt der Bargeldlos-Befürworter ist die erhofft leichtere Nachvollziehbarkeit von Transaktionen, die dann über Bankkonten abgewickelt werden müssten. Somit erhofft man sich ein Ende der Schattenwirtschaft und eine Vereinfachung der Besteuerung.

Die Nutzungsintensität von Bargeld sinkt zunehmend

Die Häufigkeit der Bezahlung mit Bargeld sinkt in zahlreichen europäischen Ländern Schritt für Schritt. Dies ist ein langsamer aber kontinuierlicher Prozess, der schon seit einigen Jahren zu beobachten ist. Wer wie bezahlt, hängt vom jeweiligen Land ab. In Nordeuropa ist die Tendenz zu bargeldlosen Zahlungsmitteln am größten.

In Dänemark überlegt die Regierung, kleineren Geschäften und Tankstellen zu erlauben, Bargeld als Zahlungsmittel abzulehnen. Argumentiert wird damit, dass ohnehin die meisten Kunden mit EC oder Kreditkarten bezahlen beziehungsweise das mobile Zahlungssystem der Danske Bank verwenden. In Italien sind seit 2012 Barzahlungen, deren Betrag über 1.000 Euro liegt, verboten, was mit der Nachvollziehbarkeit von Finanzierungen begründet wird. Das gilt auch für unser Nachbarland Frankreich, das ebenfalls nur noch Barzahlungen bis 1.000 Euro erlauben möchte.
In Schweden ist das Zahlen mit Bank- und Kreditkarten alltäglich, weswegen Bargeld in manchen Geschäften ungern gesehen oder sogar nicht mehr angenommen wird. Das gilt übrigens auch für den Kauf von Fahrkarten oder die Bezahlung von Parkgebühren.

Unbare Zahlungsmittel sind praktisch aber auch gefährlich

Auch wenn insgesamt der Eindruck erweckt werden soll, dass das Ende des Bargeldes naht, so gibt es eine Vielzahl von Experten, die gegen die Abschaffung von Bargeld sind. Das gilt beispielsweise für den Verband der Investment Professionals in Deutschland (DVFA), der Standesorganisation aller Investment Professionals in den deutschen Finanz- und Kapitalmärkten. Bei einer Umfrage haben 85,6 Prozent der Mitglieder erklärt, dass sie Bargeld nach wie vor für unverzichtbar halten. Als Gründe verweisen die einen auf die technische Anfälligkeit des elektronischen Zahlungsverkehrs, während die anderen den Datenschutz mit der Überwachung der Kontoführung als gefährdet ansehen.

Tatsächlich droht mit der Abschaffung des Bargelds eine Finanzdiktatur. Denn der Staat hätte nicht nur aufgrund elektronischer Aufzeichnungen und der Überwachung der Kontoführung die volle Kontrolle darüber, wer, was, wann mit seinem Geld macht. Mit Hilfe der Negativzinsen könnten die Menschen auch hinsichtlich ihrer Geldausgaben manipuliert werden. Vor diesem Hintergrund verdient die Abschaffung des Bargeldes Ablehnung, da sie im Großen den Verlust der Souveränität und der Freiheit der Bürger bedeutet.

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