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Die Steuerklassen I bis VI: Bei welcher Steuerklasse bleibt am meisten vom Bruttogehalt übrig?

Vor 3 jahren 0

Wie viel Netto vom Bruttogehalt bleibt, ist auch davon abhängig, welcher Steuerklasse der Steuerpflichtige angehört. Die Zuordnung in eine Steuerklasse wirkt sich nicht nur auf das Nettogehalt, sondern auch auf die Höhe von Lohnersatzleistungen aus. Das deutsche Steuerrecht kennt insgesamt sechs Lohnsteuerklassen, deren Inhalte und Voraussetzungen im Einkommensteuergesetz (EStG) normiert sind. Die Eingruppierung in eine Steuerklasse ist abhängig vom jeweiligen Familienstand.

Die Steuerklassen I bis VI: Welche Steuerklasse für wen?

1. In Steuerklasse I werden Alleinstehende eingruppiert. Das sind ledige, geschiedene oder dauerhaft getrennt lebende Ehepartner. Steuerklasse I gilt auch für verwitwete Arbeitnehmer ab dem zweiten Kalenderjahr nach dem Tod des Ehepartners oder für Verheiratete, deren Ehepartner in einem Staat außerhalb der EU lebt.
Der monatliche Arbeitslohn ist in Steuerklasse I bis zu einer Höhe von 945 Euro steuerfrei.

2. Steuerklasse II zugeordnet werden Alleinerziehende mit mindestens einem Kind, für das sie Kindergeld oder einen Kinderfreibetrag erhalten.
Der monatliche Arbeitslohn ist in Steuerklasse II bis zu einer Höhe von 1.077 Euro steuerfrei.

3. Zu Steuerklasse III gehören Verheiratete, deren Ehepartner in Steuerklasse V eingruppiert oder nicht erwerbstätig ist. Steuerklasse III zugeordnet werden auch verheiratete Arbeitnehmer, deren Ehepartner in einem EU-Land lebt und Verwitwete im ersten Kalenderjahr nach dem Tod des Ehepartners.
Der monatliche Arbeitslohn ist in Steuerklasse III bis zu einer Höhe von 1.788 Euro steuerfrei.

4. In Steuerklasse IV werden verheiratete Ehepartner eingruppiert, die zusammen leben und beide erwerbstätig sind und sich für diese Lohnsteuerklasse entschieden haben. Ehepartner, die beide erwerbstätig sind, jedoch dauerhaft getrennt leben, ist eine Zuordnung in Steuerklasse IV verwehrt.
Der monatliche Arbeitslohn ist in Steuerklasse IV bis zu einer Höhe von 945 Euro steuerfrei.

5. Steuerklasse V zugeordnet werden verheiratete Erwerbstätige, wenn der andere Ehepartner nach Steuerklasse III veranlagt wird.
Der monatliche Arbeitslohn ist in Steuerklasse V bis zu einer Höhe von 105 Euro steuerfrei.

6. Steuerklasse VI gilt für Verheiratete und Alleinstehende mit einem oder mehreren weiteren Beschäftigungsverhältnissen, wenn keine Lohnsteuerkarte beziehungsweise keine Ersatzbescheinigung des Finanzamtes für das entsprechende Jahr vorliegt.
In Steuerklasse VI gibt es keinen Steuerfreibetrag, das heißt, dass der gesamte Arbeitslohn versteuert wird.

Steuerliche Optionen für Verheiratete:
Steuerklassen IV/IV oder III/V oder das Faktorverfahren

Wer erwerbstätig ist und heiratet, wird nach der Hochzeit automatisch der Lohnsteuerklasse IV zugeordnet. Stellt sich diese Kombination als ungünstig heraus, kann die Kombination aus Steuerklasse III und V beantragt werden, wobei ein Wechsel der Steuerklassen grundsätzlich einmal im Jahr unter Einhaltung einer Frist bis zum 30. November möglich ist.

– Haben beide Ehepartner ein Einkommen in etwa der gleichen Höhe, ist die Steuerlast am geringsten, wenn sich beide für die Kombination IV/IV entscheiden.

– Verdient ein Ehepartner wesentlich weniger, sollte die Entscheidung zugunsten der Kombination III/V fallen, wobei der besser verdienende Ehepartner nach Steuerklasse III und der weniger verdienende Ehepartner nach dem ungünstigen Satz der Steuerklasse V besteuert wird.

– Möglich ist auch eine Kombination der Steuerklassen IV für beide Ehepartner mit Faktor, wobei das Faktorverfahren folgendes Problem löst: Entscheiden sich Ehepartner für die Kombination III/V, hat der Ehepartner in Steuerklasse V unverhältnismäßig hohe Steuerabzüge. Grund ist, dass die Grundfreibeträge nur dem Steuerklasse III zugeordneten Ehepartner zugute kommen. Das Problem kann durch die Kombination IV/IV mit Faktor gelöst werden. Dann werden die beiden Ehepartnern zustehenden Steuerfreibeträge bereits beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt.

Abschließend ist festzuhalten, dass sich die Eingruppierung in Lohnsteuerklassen auch auf Lohnersatzleistungen auswirkt. Lohnersatzleistungen heißen auch Entgeltersatzleistungen und werden zum Ausgleich für ein ausfallendes Arbeitseinkommen durch die Träger der gesetzlichen Sozialversicherung gezahlt. Zu diesen Lohnersatzleistungen gehören zum Beispiel Arbeitslosengeld, Krankengeld, Mutterschaftsgeld und Elterngeld, aber auch Kurzarbeiter- und Insolvenzgeld, Verletztengeld sowie Altersteilzeitzuschläge.

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