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Reserve-Charge-Verfahren

Vor 3 jahren 0

Das Reverse Charge Verfahren ist eine steuerliche Regelung, die die Umsatzsteuer betrifft. Danach schuldet nicht der leistende Unternehmer die Umsatzsteuer, sondern der Kunde als Empfänger der Leistung. Insoweit kehrt das Reverse Charge Verfahren die übliche umsatzsteuerrechtliche Regelung einfach um, nach der der leistende Unternehmer verpflichtet ist, die Umsatzsteuer vom Kunden einzuholen. Dieses Verfahren ist insoweit eine Sonderregelung, die grenzüberschreitende Geschäfte vereinfacht.

Die Grundsätze des Reverse Charge Verfahrens

Das Reverse Charge Verfahren ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Die Umkehr der Umsatzsteuerschuldnerschaft hat zur Folge, dass der leistende Unternehmer die Umsatzsteuer nicht auf seiner Rechnung ausweist, sondern lediglich das Nettoentgelt in Rechnung stellt. Er ist allerdings dazu verpflichtet, seine Kunden auf die „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“ hinzuweisen. Das geschieht regelmäßig durch einen entsprechenden Hinweis auf dem Rechnungsformular. Dreh- und Angelpunkt ist insoweit der Leistungsort, der bei grenzüberschreitenden Dienstleistungen im EU-Raum regelmäßig der Sitz des Leistungsempfängers ist. Dabei spielt es keine Rolle, wo die Leistung tatsächlich erbracht wurde. Soweit der leistende Unternehmer vorsteuerabzugsberechtigt ist, kann er die Umsatzsteuer als Vorsteuer beim Finanzamt geltend machen. Hinsichtlich der wirtschaftlichen Belastungswirkung unterscheidet sich das Reverse Charge Verfahren nicht von der normalen Umsatzsteuer. Es führt lediglich dazu, dass der leistende Unternehmer den Vorgang nicht beim Finanzamt deklarieren muss. Das führt bei grenzüberschreitenden Geschäftsvorgängen zu einer deutlichen Reduzierung des Verwaltungsaufwands.

Anwendungsbereiche des Reverse Charge Verfahrens

Das Reverse Charge Verfahren wird insbesondere bei grenzüberschreitenden Geschäftsvorgängen angewendet. Es ist jedoch nur in bestimmten Fällen zwingend in den Mitgliedsstaaten vorgeschrieben. Dazu gehören grenzüberschreitende Katalogleistungen sowie grenzüberschreitende innergemeinschaftliche Beförderungsleistungen, Vermittlungsleistungen und Werkleistungen. In allen übrigen Fällen ist es den Mitgliedsstaaten gestattet beziehungsweise überlassen, das Reverse Charge Verfahren bei grenzüberschreitenden Geschäften anzuwenden beziehungsweise einzuführen.

In Deutschland ist das Reverse Charge Verfahren vor allem vorgesehen für

  • Werklieferungen und sonstige Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmens unter der Voraussetzung, dass die Geschäftsvorgänge in Deutschland steuerbar sind,
  • Lieferungen von Grundstücken,
  • sicherungsübereignete Gegenstände, die vom Sicherungsgeber an den Sicherungsnehmer außerhalb eines Insolvenzverfahrens geliefert werden,
  • Werklieferungen und sonstige Leistungen, die der Änderung oder Beseitigung von Bauwerken sowie der Herstellung, Instandsetzung und Instandhaltung dienen, wobei Planungs- und Überwachungsleistungen ausgenommen sind sowie für
  • Die Lieferung von Elektrizität und Gas eines im Ausland ansässigen Unternehmens.

Die Vorteile

Das sind die Vorteile des Reverse Charge Verfahrens:

  • Durch das Verfahren wird bei grenzüberschreitenden Geschäften Verwaltungsarbeit eingespart.
  • Das leistende Unternehmen muss den Vorgang nicht beim Finanzamt deklarieren.
  • Ausländische Kunden müssen sich nicht an das deutsche Finanzamt wenden.
  • Das deutsche Finanzamt ist von seiner Verantwortung befreit, Steueransprüche im Ausland vollstrecken zu lassen.

Ein Beispiel für das Reverse Charge Verfahren

Hier ein Beispiel für das Reverse Charge Verfahren: Ein in München ansässiges Softwareunternehmen verkauft an eine in Graz ansässige Rechtsanwaltskanzlei Softwareprodukte im Wert von 2.500 Euro netto. Das Softwareunternehmen entscheidet sich für das Reverse Charge Verfahren und weist die Umsatzsteuer in der Rechnung nicht aus. Dies geschieht mit dem Hinweis auf der Rechnung „Steuerschuldnerschaft des Leistungsempfängers“. Das bedeutet, dass die in Graz ansässige Rechtsanwaltskanzlei die Umsatzsteuer in Höhe von 20 Prozent – das ist der geltende Umsatzsteuersatz in Österreich – direkt an das Finanzamt abführt. Da die Rechtsanwaltskanzlei zum Vorsteuerabzug berechtigt ist, kann sie die Umsatzsteuer als Vorsteuer geltend machen.

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