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Schritte zur Selbstständigkeit – Erstkontakt mit dem Behördendschungel Finanzamt

Vor 4 jahren 0

Für viele Selbständige und Existenzgründer sind Steuern eine geheime Wissenschaft und der Umgang mit dem Behördendschungel des Finanzamts nervtötend, zeitraubend und undurchdringlich. Welche Schritte sind vorzunehmen und was ist alles zu beachten, wenn man sich selbständig machen möchte? Wählt man die Lianen in richtiger Reihenfolge, ist der Weg durch den Behördendschungel gar nicht so beschwerlich. Von Vorteil ist immer, wenn man sich darüber im Klaren ist, dass auf eine Liane noch eine andere folgt, die gegebenenfalls in eine andere Richtung führen kann. Hilfreiche Informationen, damit Sie sich nicht verlaufen und über die einzelnen Schritte zur Selbständigkeit geben wir Ihnen hier.

Der allererste Behördengang ist zunächst erst einmal davon abhängig, ob Sie aus Sicht des Finanzamts als Gewerbetreibender oder Freiberufler eingestuft werden.

 

Schritt 1: Der erste Behördengang als Gewerbetreibender

Sie melden sich bei dem Gewerbeamt der Gemeinde an, in der das Unternehmen eröffnet wird. Die Gewerbeanmeldung enthält Ihre persönlichen Angaben, Angaben zur Art der Tätigkeit und zum Zeitpunkt, ab wann diese begonnen werden soll. Für die Anmeldung benötigen Sie:
1. Personalausweis und eventuell
2. besondere Nachweise (wie beispielsweise Handwerkskarte, Konzession) oder auch
3. Vertragsunterlagen (zum Beispiel Ihren Gesellschaftsvertrag).
Übrigens: Handwerksunternehmen in sogenannten gefahrgeneigten Berufen, wie zum Beispiel Dachdecker oder Elektroniker, dürfen grundsätzlich nur gegründet werden, wenn man eine Meisterprüfung abgelegt hat. Natürlich kann auch ein Meister angestellt werden, das funktioniert auch. Mit der Gewerbeanmeldung setzt sich die Maschinerie in Bewegung und das Finanzamt sowie andere Institutionen (u.a. IHK und Berufsgenossenschaft) werden nun automatisch von der Selbständigkeit informiert.

 

Schritt 1: Der erste Behördengang für Freiberufler

Ein Gang ist hier sogar überhaupt nicht nötig. Als Freiberufler (zum Beispiel Rechtsanwälte, Ärzte und Künstler) melden Sie sich nämlich nicht beim Gewerbeamt an, sondern informieren das Finanzamt des Bezirks, indem Sie sich mit Ihrer Unternehmung niederlassen wollen über Ihre Existenzgründung. Dafür reicht ein formloses Schreiben. Hierbei haben Sie aber bereits Ihre erste Frist zu beachten, denn das Schreiben muss innerhalb eines Monats nach Beginn der Selbständigkeit erfolgen.
Wer zu den sogenannten geregelten freiberuflichen Berufsgruppen, zum Beispiel Rechtsanwälte, Ärzte oder Steuerberater, gehört, braucht eine Berufszulassung, um sich selbständig machen zu können. Bei den ungeregelten freien Berufen, wozu beispielsweise Künstler zählen, bedarf es keiner gesonderten Genehmigung für die Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit.

 

Schritt 2: Der Gründungsfragebogen des Finanzamts (für alle)

Nach der Anmeldung bekommen Sie nach einigen Wochen Post. Der Fiskus schreibt! Dieser sendet Ihnen gleich Ihre erste steuerliche Pflicht – den Gründungsfragebogen. In diesem Fragebogen möchte das Finanzamt folgende Fragen beantwortet wissen:
1. Wann wurde Ihr Betrieb eröffnet, welche Tätigkeiten werden ausgeübt und wer ist der Betriebsinhaber?
2. Welche Steuererklärungen und Voranmeldungen sind abzugeben und nach welcher Art soll der Gewinn ermittelt werden?
3. Welcher Umsatz und Gewinn wird in den ersten beiden Jahren erwartet?
Venvie-Rat: Füllen Sie den Fragebogen sorgfältig aus, denn die Angaben haben weitreichende steuerliche Folgen und binden Sie teilweise für Jahre an das Finanzamt. Denn ja, das Finanzamt verlangt von Ihnen tatsächlich das Lesen im Kaffeesatz, um die Zukunft vorauszusehen. Zumindest für zwei Jahre und bezogen auf die dritte Fragestellung nach Umsatz und Gewinn. Denn abhängig davon werden Ihre Steuervorauszahlungen festgesetzt, die Sie im laufenden Geschäftsjahr leisten müssen. Natürlich ist das nicht leicht, wenn man gerade erst startet, schätzen Sie daher bitte realistisch. Im besten Falle haben Sie einen Businessplan erstellt und diese Fragen bereits kalkuliert. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, rechnen Sie sich nicht zu arm, denn das kann zu hohen Nachzahlungen führen. Schätzen Sie wiederum zu optimistisch, dann zahlen Sie vorab zu viele Steuern. Ja, der Dschungel birgt auch Fallen. Fehleinschätzungen gehören zu den häufigsten Fallstricken bei der Existenzgründung.

 

Schritt 3: Die Steuernummer und Steuererklärungen

Auf Basis des Gründungsfragebogens bekommen Sie im letzten Schritt Ihre Steuernummer mitgeteilt und erfahren, welche Steuererklärungen Sie abgeben sollen und gegebenenfalls in welcher Höhe Sie Steuervorauszahlungen leisten müssen. Wozu diese Vorauszahlungen nötig sind? Sie stellen eine Abschlagszahlung auf Ihre voraussichtliche Jahressteuerschuld dar. Diese sind notwendig, um einen regelmäßigen Geldfluss in den Staatshaushalt sicherzustellen und soll den Selbständigen, also Sie, vor hohen Nachzahlungen schützen.
Gut zu Wissen
Entwickelt sich Ihr Gewinn nicht so, wie Sie es vorher kalkuliert bzw. erhofft haben, keine Panik! Sie können beim Finanzamt einen Antrag auf Herabsetzung der Vorauszahlungen stellen. Wir helfen Ihnen übrigens sehr gerne bei der steuerlichen Anmeldung. Sprechen Sie uns einfach darauf an.

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