info@venvie.de +49 (030) 375 92 11-0

Steuerfallen für Online-Händler

Vor 4 jahren 0

Steuerhinterziehung, ohne es zu bemerken? Ja, auch das kann passieren und Unwissenheit schützt vor Strafe leider nicht. Ein schöner antiker Schrank, hübscher Schmuck oder Mobiltelefone – beim Verkauf über Ebay kommt schnell eine schöne Summe zusammen. Durchschnittlich 30 Millionen Artikel werden auf der Verkaufsplattform angeboten, wobei der Anteil von gewerblichen und privaten Verkäufen in Etwa gleich ist und bei jeweils 50 Prozent liegt.

Private Online-Verkäufe bergen viele Fallen, in die Sie nicht hineingeraten sollten. Steuerfahnder haben ein genaues Auge auf Ihre Tätigkeiten und wir nennen Ihnen hier die fünf heikelsten Finten, denn ob mit den Online-Verkäufen bereits Steuern hinterzogen werden, darüber denken die meisten oft überhaupt nicht nach. Doch wenn diese Verkäufe als gewerblich eingestuft werden, herrscht Steuerpflicht.

Steuerfinte 1: Der Fiskus kennt sich auch im Internet aus

Steuerfahnder jagen mit modernster Software im Netz nach potenziellen Steuersündern. Genutzt wird dabei die Suchmaschine „Xpider“, die selbständig Informationen sammelt und anhand der vom Benutzer festgelegten Kriterien auswertet. So werden gezielt Schwarzhändler aufgespürt, denen dann saftige Nachforderungen drohen. Ins Visier der Steuerfahnder geraten beispielsweise Händler, die über eine längere Zeit viel oder große Posten an Neuware anbieten. Neben Ebay durchleuchten die Beamten auch Verkaufsplattformen wie Amazon, Mobile.de, Autoscout24, oder MyHammer. Sofern Onlinehändler fortwährende Einnahmen erzielen, kann das Finanzamt neben Namen, Anschrift und Bankverbindung eine detaillierte Auflistung aller Verkäufe von den Betreibern der jeweiligen Portale verlangen.

Steuerfinte 2: Privat oder gewerblich?

Was viele nicht wissen: Die Grenze zwischen steuerpflichtigem Handel und steuerfreien Privatverkäufen ist fließend. Allein zu behaupten, man sei ein Privatverkäufer, reicht nicht aus. Doch ab wann gilt ein Verkäufer als Profi?
Dafür gibt es eine Faustformel: Wird die Wohnung oder der Keller ausgemistet und alte Gegenstände gegen ein Höchstgebot versteigert, ist man ein Privatverkäufer und somit nicht steuerpflichtig. Unter diese Schätze fallen beispielsweise Kleidung, Spielekonsolen, alte Platten, Fernseher oder Möbel (Vorsicht bei Antiquitäten!). Auch wenn eine geerbte Sammlung oder das eigene Auto verkauft werden, bleibt der Verkauf steuerfrei. Dauerhaft ertragreiche und gewinnbringende Geschäfte wertet der Fiskus allerdings als unternehmerisch. Hier wird ab circa 40 Verkäufen im Monat kritisch. Im Einzelfall muss dann das Gericht entscheiden. Indizien für ein Gewerbe liegen vor bei regelmäßigem Handel, hohen Erträgen und bei Verkäufen von gleichartigen Produkten oder Neuware und auch wenn das Angebot aufwendig platziert wird. Dabei spielt es übrigens keine Rolle, ob bei dem Geschäft Gewinne erzielt werden, denn jede nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Erträgen ist gewerblich.

Steuerfinte 3: Spekulationsgeschäfte

Spekulationsgüter, also private Wertgegenstände, die schnell und mit hohem Wert wiederverkauft werden können, beispielsweise Schmuck, Gold, Münzen oder Antiquitäten, erregen hohe Aufmerksamkeit bei den Hütern des Steuerrechts. Der erzielte Gewinn muss versteuert werden, sofern das Gut vor weniger als einem Jahr selbst gekauft wurde. Es sei denn der Gesamtertrag liegt unter 600 Euro.

Steuerfinte 4: Wiederverkauf

Auch private Händler müssen aufpassen. Haben sie die verkauften Gegenstände extra für den Wiederverkauf erworben, stuft das Finanzamt den Verkauf als gewerbsmäßig ein und verlangt Steuern. Darunter fällt im Übrigen auch die Spielekonsole, die extra vor Weihnachten erworben wird, um Sie mit Gewinn an den Festtagen zu veräußern. Das muss in der Steuererklärung in der Anlage „SO“ für sonstige Einkünfte als privates Veräußerungsgeschäft angegeben werden.

Steuerfinte 5: Bei Gewerbe werden 3 Steuerarten fällig!

Vorsicht, sofern ein Gewerbe vorliegt. Denn hier werden gleich drei verschiedene Steuern fällig, nämlich Einkommensteuer, Umsatzsteuer und Gewerbesteuer.

Einkommensteuer: Liegt das gesamte Einkommen über dem Jahresgrundfreibetrag von aktuell 8.354 Euro, fällt auf jeden Euro zusätzlichen Gewinns aus gewerblichem Onlinehandel Einkommensteuer an. Für Arbeitnehmer sind bis zu 410 Euro Gewinn pro Jahr steuerfrei. Höhere Nebeneinkünfte müssen in der Steuererklärung angegeben werden. Ein Kleinunternehmer bis zu einem Umsatz von 17.500 Euro brutto, muss keine weiteren Steuern zahlen.

Umsatzsteuer: Wird fällig, sofern die Umsätze im zurückliegenden Jahr 17.500 Euro brutto nicht übersteigen und im laufenden Jahr voraussichtlich nicht mehr als 50.000 Euro erzielt werden.

Gewerbesteuer: Die örtlichen Kommunen verlangen Gewerbesteuer, wenn die Gewinne jährlich 24.500 Euro übersteigen.

Venvie-Tipp: Heben Sie einfach alle Verkaufsbelege auf, dann sind Sie auf der sicheren Seite. Andernfalls kann es sein, dass das Finanzamt Umsätze und Gewinne schätzt und das kann erheblich teurer werden.

Schreibe einen Kommentar

Richtig sparen!
Ermitteln Sie Ihre detaillierte Kostenersparnis direkt online mit unserem Kostenrechner! Kostenlos, sicher und unverbindlich.

Archiv