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Umsatzsteuer für Auslandkäufe

Vor 2 jahren 0

Mit dem Thema „Das Problem der Überlastung von Online-Shops“ wandten wir und bereits an unsere selbstständigen Leser mit Tipps und Tricks zu ihrem Gewerbe. Dass ein wirtschaftliches Bestehen aber nicht nur auf den inländischen Markt beschränkt ist, scheint ebenso bekannt. Dennoch wagen wenige Unternehmen den Schritt über das Landesinnere hinweg.  Es sind vor allem steuerliche Gründe und hier insbesondere die Umsatzsteuer, die manches Unternehmen vor Auslandsverkäufen innerhalb der Europäischen Union (EU) abschrecken. Tatsächlich ist das Thema weit weniger komplex als man vielleicht vermuten mag. Von Bedeutung sind vor allem zwei Fragen: Wer kauft und was wird gekauft? Warum das wichtig ist und welche Folgen das für die Umsatzsteuer hat – wir gehen in die Tiefe.

 

Wer kauft – Firmenkunde oder Privatkunde?

Es kommt bei Auslandsverkäufen darauf an, wer die Produkte kauft, ob sie an andere Unternehmen (B2B) oder an Privatkunden (B2C) verkauft werden.

 

Firmenkunden

Sofern Produkte an Firmenkunden geliefert werden, wird auf der Rechnung keine Umsatzsteuer ausgewiesen. Grund ist, dass es sich um eine sogenannte „steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung“ handelt. Dann müssen auf der Rechnung die Umsatzsteueridentifikationsnummer (USt.-ID) des Verkäufers und auch die USt.-ID des Käufers ausgewiesen sein, und sie muss den Hinweis enthalten, dass es sich um eine „steuerfreie innergemeinschaftliche Lieferung“ handelt. Als Nachweis für die deutschen Finanzbehörden müssen die Versandpapiere sowie der Prüfbeleg der USt.-ID-Abfrage zusammen mit dem Rechnungsbeleg aufbewahrt werden.

 

Privatkunden

Die zweite Variante ist der Verkauf an Privatkunden im europäischen Ausland. Wahlweise kann auf der Rechnung der deutsche Umsatzsteuersatz oder der Umsatzsteuersatz des Landes angegeben werden, in das das Produkt verkauft wird. Das setzt allerdings Kenntnisse über den Umsatzsteuersatz des europäischen Landes voraus, da die Umsatzsteuersätze in der EU nicht einheitlich geregelt sind. Die einfachste Lösung ist, sich für den deutschen Umsatzsteuersatz zu entscheiden mit der Konsequenz, dass die Umsatzsteuer in Deutschland abgeführt werden muss. Wer sich für das Zielland entscheidet, ist für die nächsten zwei Jahre an diese Entscheidung gebunden.

 

Ausnahmeregelung bei Privatkunden: Überschreiten von länderspezifischen Schwellenwerten

Im Zusammenhang mit der sogenannten Versandhandelsregelung, die den Verkauf von Produkten an nicht umsatzsteuerpflichtige Abnehmer zum Inhalt hat, haben die EU-Mitgliedsstaaten länderspezifische Liefer- und Erwerbsschwellen definiert. Wird ein Schwellenwert überschritten, unterliegt der Verkauf von Produkten an Privatpersonen nicht der Besteuerung durch das Ursprungsland, sondern der des Bestimmungslands. Dann muss der Unternehmer sich in diesem Bestimmungsland umsatzsteuerlich registrieren lassen.

 

Besonderheit: Elektronisch erbrachte Leistungen

Über den Verkauf von physischen Produkten hinaus werden im Internet und in Online-Shops Produkte zum Download oder Streaming-Produkte angeboten. Dabei kann es sich um E-Books, um Online-Videokurse oder um Handy-Spiele handeln. Bei diesen elektronisch erbrachten Leistungen muss die Umsatzsteuer zwingend im Land des Käufers abgeführt werden. Meistens sind diese Leistungen nicht auf ein EU-Land begrenzt. Deshalb gilt das sogenannte Mini-One-Stop-Shop-Verfahren. Was kompliziert klingt, ist in der Anwendung einfach. Es handelt sich um eine separate Steuererklärung, in der alle im Ausland elektronisch erbrachten Leistungen und Umsätze gemeldet und zusammengeführt werden. Die erhobene Umsatzsteuer wird dann für jedes Land an das Bundeszentralamt für Steuern abgeführt.

 

Fazit

Was bleibt ist noch ein Nachsatz zur Schweiz: Wer Waren in die Schweiz verkauft, muss keine Umsatzsteuer ausweisen. Es reicht der Hinweis „umsatzsteuerfreie Ausfuhrlieferung“ auf der Rechnung aus sowie die Aufbewahrung der Versandpapiere als Nachweis für die deutschen Finanzbehörden. So steht dem Eintritt in den Ex- oder Import in steuerlicher Hinsicht nichts mehr im Wege.

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